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 Die Heimat im Krieg
Lohne und die Region 1914 - 1918       Freitag 10.11.2017  Eröffnung der Sonderausstellung

Mit klingendem Spiel wurden schon in den ersten Wochen des Kriegsbeginns im August 1914 Reservisten und Wehrmänner von der Lohner Musikkapelle vom „Kriegerdenkmal“ an der Brinkstraße zum Bahnhof geleitet und letztlich in den Krieg geschickt. Wir kennen alle das Germaniadenkmal, das 1896 vom Bildhauer Benker geschaffen wurde.

Wir haben in vielen Nischen in der Ausstellung, so meinen wir, sehr anschauliche Leitexponate zusammengestellt.
Ob es das Bilder von Heinrich Klingenberg ist, das die Situation zeigt, in der eine Frau, umgeben von zwei kleinen Kindern, die Nachricht erhält, dass ihr Mann an der Front gefallen ist. Oder der Nagelmann aus Oldenburg, wo in eine Holzfigur Nägel geschlagen wurden, je nach Metallsorte zu einem anderen Preis.

Erläuternde Text gibt es viele, so dass man sich die Ausstellung auch ohne Führung erschließen kann.
Der Kreis der Ausstellung beginnt mit den Farben schwarz/weiß/rot des Kaiserreiches und den Bildern von Kaiser Wilhelm II. und Großherzog Friedrich August und schließt mit dem Zusammenbruch des Kaiserreiches und der Abdankung des Großherzogs und den Weg in die Republik mit den Farben „schwarz/rot/Gold“ und den Appell von Käthe Kollwitz „Nie wieder Krieg“. Mit Figuren aus Lohne und ihren Biografien haben wir versucht, dem Krieg ein Gesicht zu geben. Beispielhaft steht der Lohner Schüler Clemens Pund. Wir haben seinen Abituraufsatz (das Notabitur nach 12 Jahren, damit er in den Krieg ziehen konnte), sein Tagebuch und die Ehrentafel des Vechta Gymnasiums für die Gefallenen und anderes mehr.

Insgesamt wurden aus Stadt und Landgemeinde Lohne im Ersten Weltkrieg ca. 1.500 Soldaten eingezogen. Bei einer Einwohnerzahl von weniger als 6.000 Einwohnern ist das ein hoher Anteil, wenn man diese Zahl in Bezug setzt zur männlichen Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 45 Jahren, die zum Kriegsdienst herangezogen wurde. Fast 300 Lohner sind gefallen, andere kamen körperlich versehrt oder traumatisiert zurück. Insgesamt sind diesem Krieg ca. 10 Millionen Menschen zum Opfer gefallen.

Propagandaplakate und die Originaltafeln des ehemaligen Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in Südlohne rufen zum Nachdenken auf. Die Hörstationen mit „Die Wacht am Rhein“, „Heil Dir im Siegerkranz“, die Ansprache Kaiser Wilhelms II. zu Kriegsbeginn stimmen in die Zeit des Kaiserreiches ein. Nachdenklichen Gedichttexten aus der Region sowie Auszügen aus Feldpostbriefen verorten die Ausstellung klar in der Region. Die Leseecke mit Auszügen aus der OV von 1914 bis 1918 sollte zum Verweilen anregen. Bildübersichten zu allen Ehrenmalen zum Ersten Weltkrieg im Landkreis Vechta geben einen Hinweis, wie präsent – bei genauerem Hinsehen – die Gedenkkultur des Ersten Weltkrieges noch heute vorhanden ist.

Es sind aber nicht nur die Ausstellungsstücke, die direkt ins Blickfeld geraten. Es sind einige hundert Einzelstücke vom Soldbuch über Friedrich-August-Kreuz, von der Feldpostkarte über den Sattel, der bei der Demobilisierung der Truppe in der Gaststätte Römann zurückgeblieben sind.
Von der Ausrüstung der Soldaten über die Liebesgaben an die Front und die Ersatzstoffe im Alltagsleben in der Heimat, außerdem die vielen Erinnerungsstücke.

© Benno Dräger


   
   
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